Donnerstag, 5. Februar 2009

Lotto-Glück

Psst. Hallo du. Willst du wissen, wie man garantiert den Lotto-Jackpot knackt? Du musst lediglich 139.838.160 Tippscheine kaufen und auf jedem eine andere Kombination ankreuzen. Das sind alle Kombinationsmöglichkeiten (im Spiel 6 aus 49 plus Zusatzzahl). Damit gewinnst du den Jackpot auf jeden Fall. Aber wenn du das machst, dann gib mir die Hälfte vom Gewinn ab. Schließlich war ich so nett, dir den Trick zu verraten.

Warum spielen eigentlich so viele Menschen Lotto? Sogar Statistiker. Dabei sollten die es doch am besten wissen. Ein hoher Gewinn ist so unwahrscheinlich, dass der Erwartungswert beim Lottospielen negativ ist. Sprich, selbst wenn du unendlich lange Lotto spielst (wobei dich das Glück dabei auch ein paar mal den Jackpot knacken lässt), hast du weniger Geld als vorher.

Eine einfache Erklärung ist: der Teufel ist schuld. Er macht uns schwach und verleitet uns zum Glücksspiel. Wenn Geldgier das Motiv ist, dann ist das eine Sünde. Und mal ehrlich, warum spielt man Lotto, wenn nicht aus Geldgier? Achso, verstehe! Das eingesetzte Geld kommt einem S.O.S.-Kinderdorf zu Gute. Die Kinder freuen sich natürlich viel mehr, wenn man für sie Lotto spielt, anstatt ihnen das Geld direkt zu geben...

Aber sind die 30 Millionen Deutschen, die angeblich von Zeit zu Zeit Lotto spielen, wirklich alle vom Teufel besessen? Das würde mir Angst machen, also such ich mir lieber Erklärungen in der Wissenschaft.

Ökonomen haben sich da ja ein lustiges Modell mit einer springenden Nutzenfunktion ausgedacht. Das haben die nur gemacht, weil sie dann immer noch behaupten können, der Mensch wär rational, auch wenn er Lotto spielt. Nur leider ist das Modell viel zu kompliziert und vor allem total unrealistisch. Deshalb sag ich jetzt hier nicht wie's geht.

Psychologen behaupten dagegen einfach, dass wir die Gewinnwahrscheinlichkeit überschätzen. Zum Beispiel weil wir denken, wir hätten einen Einfluss auf sie, je nachdem, wie wir den Tippschein ankreuzen. Deshalb werden auch so gerne schöne Muster oder "glücksbringende" Jahreszahlen angekreuzt. Und dann wundern wir uns, warum wir im Gewinnfall mit so vielen Menschen teilen müssen, die die gleichen Zahlen getippt haben (z.B. die überaus beliebte 19).

Die Erklärung der Psychologen ist also sehr einleuchtend und lässt sich auch nicht so ohne Weiteres widerlegen. Aber warum lassen wir uns partout nicht eines Besseren belehren? Die Statistiker haben das doch alles genau ausgezählt und trotzdem glauben wir ihnen nicht.

Ich hab mir noch eine andere Erklärung überlegt: Evolution.

Schauen wir uns ein kleines Dorf in Gallien vor langer langer Zeit an. Es gibt dort zwei Sorten von Menschen. Die einen sind Sparer und horten all ihre überschüssige Nahrung. Sie hören immer auf die Dorfälteste, die bei der Sparkasse arbeitet und stets sagt: "Spare, dann hast du in der Not." Die anderen sind Zocker. Sie wollen unbedingt schnell reich werden und spielen deshalb Nahrungslotto, bei dem einer alles gewinnt und der Rest leer ausgeht. Ihr Anführer ist der Casinobesitzer, der immer sagt: "Nur wer wagt, gewinnt."

Nach einem bestimmten Zeitraum haben die Sparer 5 Sack Getreide gehortet. Die Zocker haben dagegen fast alle ihre gehortete Nahrung verzockt und grad mal 1 Sack Getreide. Nur der Lottomillionär, der hat 20 Sack Getreide.

Jetzt kommt die Wirtschaftskrise (Dürreperiode). Swoosh! Man kann jetzt nichts mehr sparen, sondern muss von dem leben, was man hat. Man verbraucht jeden Monat einen Sack Getreide. Ist das Getreide alle, muss man verhungern.

Die Krise dauert 3 Monate. Alle Sparer überleben und die Dorfälteste sagt: "Ich hab's euch ja gesagt!" Von den Zockern lebt dagegen nur noch der Lottomillionär mit seiner Frau und gründet eine neue Dynastie von Zockern. Sparen war zwar vernünftiger, aber ausgestorben sind die Zocker nicht.

Doch was ist, wenn die Krise 6 Monate dauert? Dann ist es gar nicht mehr so gut, Sparer zu sein. Die verhungern nämlich alle. Schlechter geht's den Losern, die gezockt haben, auch nicht. Der einzige, der überlebt, ist der Lottomillionär. Er gründet mit seiner Frau eine neue Dynastie und macht aus dem gallischen Dorf ein echtes Lax Vegax.

Und von wem stammen wir jetzt ab? Wenn es die eine oder andere große Krise gegeben hat, dann ist die Antwort eindeutig: vom Lottomillionär. Und der muss ja Lottospieler gewesen sein.

Jetzt ist auch klar, warum so viele Menschen Lotto spielen. Wir alle haben das Lottospiel-Gen in uns. Für den einzelnen scheint es irrational zu sein, weil die Chance auf einen großen Gewinn so klein ist. Aber für die Spezies ist es vielleicht überlebenswichtig.

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PS:

Wenn du für ungleiche Vermögensverteilung plädierst und jetzt den Arterhalt als Argument anführst, dann kann ich dir nur sagen: "Ich verspreche dir, die Art genauso gut zu erhalten wie du, wenn du mir dein ganzes Vermögen gibst."

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